Neue Songs

 

Ich habe zwar nicht die Absicht, unter dieser Rubrik so etwas wie ein Konzeptalbum zusammenzustellen, aber zumindest die vier Stücke hier, die ich tatsächlich auch in der vorliegenden Reihenfolge geschrieben habe, stehen in einem gewissen Bezug zueinander. 

 

Ein Weg gemacht aus Fragen

Loner

Free God

Not Just Fantasy

 

Wenn ich also versuche, diese vier Lieder mit wenigen Worten zusammenzufassen, dann ist es dieser: Um zu wachsen, muss ich bereit sein, gelegentlich Standortbestimmungen vorzunehmen. Dazu gehört auch, hin und wieder einen einsamen Weg durch die Wüste in Kauf zu nehmen. Die Einöde mag helfen, den Geist zu öffnen, und Gott aus dem Gefängnis unserer Kleinkariertheit zu entlassen und ihm dann neugierig hinterherzulaufen. Vielleicht integriert er uns dann in seine Größe und wir fangen an zu begreifen, wofür der Name steht, um dessen Heiligung wir ständig beten, was sein Reich alles umfasst und was es für uns bedeutet.

 

Glaube und Suche nach Gott: Ertasten und Spüren vs. gehorsames Abnicken

 

Paulus sagte den Athenern seinerzeit, dass "wir" - also alle - in Ihm, Gott, leben, und dass er möchte, dass wir ihn suchen, wörtlich: "tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns. Denn in ihm leben wir und bewegen uns und sind wir" (Apostelgeschichte 17:27f, EB).

 

Meine Überlegung: Wenn wir alle, sowohl Menschen, die wie Paulus an Jesus glauben, als auch solche, die das nicht tun, "in Gott" leben und uns bewegen, dann bezeugt das eine Größe, die für uns unermesslich ist. Und egal, für wie ausgereift wir unsere Erkenntnis Gottes auch halten mögen: die Suche wird nie aufhören, weil wir uns geistig in einem genauso unendlichen Raum bewegen wie im materiellen Raum, sprich Universum.

 

Und dass er vom "tastenden Fühlen" spricht, zeigt, dass diese Suche ein sehr individueller Vorgang ist und nicht in einen Rahmen gepresst werden kann, den andere gezimmert haben. Es gibt in der Religion - auch, aber nicht nur bei Christen - eine Tendenz, sich selbst oder die Gruppe, der man sich zugehörig fühlt, und damit alles, was dort gelehrt wird, mit einem Etikett zu bekleben, auf dem "Wahrheit" steht, womit man alle, die anders denken, ausgrenzt. 

 

Wenn Gott aber eine Größe im Leben ist, in der alle ihren Platz haben und aufgefordert sind, ihn tastend zu erfühlen, dann macht jeder in seinem Lebensbereich eigene Erfahrungen - durch Erleben genauso wie durch Anlesen. Aus diesen Faktoren, die wie Teile eines überdimensionalen Puzzles betrachtet werden mögen, kann man versuchen ein Bild zu erarbeiten. Man kann sich mit anderen darüber austauschen, um voneinander zu lernen, immer bereit, alles neu zu sortieren, wenn man merkt, dass da etwas nicht stimmt.

 

Wer aber seine paar Teile, aus denen er einen Zusammenhang abgeleitet hat, zu einer verbindlichen Wahrheit machen will, zu einem Dogma, das nicht hinterfragt werden darf, sollte bedenken, dass die Wahrheit keine Lehre ist, sondern eine Person: Jesus Christus nahm für sich in Anspruch, "der Weg, die Wahrheit und das Leben" zu sein, und der einzige Weg "zum Vater". Er wird als das Geheimnis Gottes bezeichnet, in dem "alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen" sind. Also auch hier: Suche - mit einem klaren Ziel, das schon in Salomos Sprüchen, also ganz schön lange her, benannt wird:
Wenn du den Verstand anrufst, zum Verständnis erhebst deine Stimme, wenn du es suchst wie Silber und wie Schätzen ihm nachspürst,dann wirst du ... die Erkenntnis Gottes gewinnen. Denn der HERR gibt Weisheit. Aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Verständnis -Sprüche 2:3-6. Elberfelder Bibel.

 

Wer darüber hinausgeht und sich selbst als Maßstab für Wahrheit setzt, mit dem er alles andere und alle anderen be- oder sogar verurteilt, sollte einmal die Bibel zur Hand und den Schleier von den Augen nehmen. Im ersten Korintherbrief lässt sich Paulus in den ersten drei Kapiteln sehr ausführlich über die Ursachen für sektiererisches Denken aus. Wenn man seine Gedanken unvoreingenommen reflektiert, versteht man sicher auch, was er damit sagen will, wenn er behauptet, dass niemand "einen anderen Grund legen" kann als den, der gelegt ist: Jesus Christus.

So viel wollte ich gar nicht schreiben, aber wenn die Texte der Lieder für sich selbst sprechen sollen, muss ich zumindest andeuten, was Suche für mich bedeutet, und dass Zweifel in diesem Sinne nichts für den Glauben Gefährliches sind, sondern ein Teil des Wachstumsprozesses. Sie - die Zweifel - sind auch notwendig, um sich nicht auf einen Weg einzulassen, der von Menschen geebnet und eingefasst wurde, die die oben beschriebene Größe eines alles umfassenden Geistes auf den winzigen Bereich des menschlichen Denkens reduzieren, und das Resultat als verbindliche Lehre präsentieren. Und möge man sich davor hüten, jetzt spontan auf "die da" zu zeigen, um nicht sich selbst betrachten zu müssen, denn wir neigen wohl alle ausnahmslos dazu, unser eigenes Denken gelegentlich zu wichtig zu nehmen, und in einer Gruppe kann sich das schnell potenzieren, wenn man nicht achtgibt.

 

So wichtig Gemeinschaft auch sein mag: der Mensch neigt in der Masse bei entsprechender manipulativer Führung und Organisation nicht selten zum Verblöden, wie die Geschichte bis in die Gegenwart hinein zeigt. Ganz allgemein gesprochen, ohne jemand Bestimmten dabei im Blick zu haben.