Was Suche nach Gott für mich bedeutet

„Du glaubst doch an Gott, was gibt es denn da noch zu suchen?“. Klingt nach einer berechtigten Frage. Wenn „an jemanden glauben“ gleichbedeutend wäre mit „ihn haben“, müsste ich wohlzustimmen.

 

Das ist vergleichbar mit der „Wahrheit“. Manche behaupten „in ihr“ zu sein und behandeln diesen Begriff, als ginge es darum, sie zu besitzen: „Ich habe die Wahrheit“. Als beschriebe das Wort eine Art Haus, in das man einfach nur hineingehen müsste, um einen Besitzanteil zu erlangen. Sie benutzen diesen Anspruch dazu, andere davon zu überzeugen, einzutreten und sich vollständig dem in diesem Haus gepflegten Umgang miteinander und mit der dort festgeschriebenen Denkweise zu identifizieren. Folgte man der Behauptung, jenes Haus sei von Gott gebaut worden, hätte man ihn gefunden, und müsste im Rahmen jener Einheit sein weiteres Leben führen -  was ein weiteres Lernen natürlich nicht ausschließt.

 

Klingt nachvollziehbar und auch recht einfach. Über dem Portal dieses Hauses könnte stehen: „Hier ist das Leben. Tritt ein, sieh was wir tun, tu es ebenso, dann wirst du leben“. Du hast ein Zuhause, Geborgenheit in der Menge, und eine sinnvolle Arbeit, in der du gemeinsam mit anderen geschult wirst -  die wiederum gut auf dich aufpassen, dass du dieses Haus nicht durch eigenwillige Tendenzen wieder verlassen musst, indem du etwa Lehren bezweifelst, die „die Wahrheit“ sind. Wahrheit also als Lehre.

 

So kann ich Gott nicht sehen, obwohl es sehr verlockend erscheinen mag, den Glauben an einem Konformismus festzumachen, der das Gefühl beschert, liebevoll an- und aufgenommen und integriert worden zu sein.

 

Im Grunde bedeutet diese Art von Wahrheitsverständnis, dass man nicht nur die eingesammelten Menschen in diesem Haus einsperrt, sondern auch Gott selbst. Man holt ihn herunter in die eigene kleine Gedankenwelt und verpackt ihn in menschliche Klischees des Glaubens. Wenn man einen derart reduzierten Gott gefunden hat, und nur im vorgesteckten Rahmen suchen darf – was man kaum wirklich als Suche bezeichnen kann – besteht kaum eine Chance, in seine – Gottes - Tiefen vorzudringen. Die Tiefe des Tauchgangs ist vorgegeben und durch Verbotsschilder markiert. „Bis hierher und nicht weiter“.